Das Dilemma unserer Statuen

“Black-Lives-Matter”-Demonstranten rückten in den vergangenen Wochen unsere historischen Statuen in den Fokus. Einerseits waren die abgebildeten Personen Wohltäter, andererseits Rassisten. Wie ist dieses Dilemma aufzulösen? Ein Versuch

Albert Pike statue
Die abgerissene und verunstaltete Statue von Albert Pike.

“Black-Lives-Matter”-“Demonstranten” verunstalteten und zerstörten in den vergangenen Wochen Denkmäler von historischen Persönlichkeiten. Anfangs Sklavenhändler, dann auch Menschen wie Otto von Bismarck, George Washington und Christopher Columbus. Das ist auf den ersten Blick verständlich.

Denn Statuen sind oft überlebensgroß. Sie haben damit etwas übermenschliches und gucken auf uns herunter. Gleichzeitig sieht man zu ihnen auf – sowohl praktisch als auch metaphorisch. Und in dem “zu ihnen aufschauen” liegt die Krux. Sie sind Vorbilder der Gesellschaft, die sie ihn Stein gemeißelt hat. Es wirkt aus der Zeit gefallen, dass Rassisten durch eine Statue geehrt werden.

Doch sie alle waren Menschen ihrer Zeit – einer Zeit, in der Rassismus die Norm war. Aus Sicht der damaligen Zeitgenossen waren sie Helden, Wohltäter, Staatsmänner und Entdecker. Schlicht Menschen, die die Zeitgeschichte geprägt haben. Es ist leicht, heute moralisierend auf Menschen von damals herabzuschauen. Doch diese Kritik ist aus der Zeit gefallen. Historische Persönlichkeiten können gar nicht anders als an der modernen Moral scheitern, denn sie ist eine unserer Zeit. Sicherlich wird man in Zukunft auch auf uns herabblicken, weil wir Tiere in unzumutbaren Zuständen halten, töten und essen.

Warum es gefährlich ist, Gründerväter zu canceln

Schauen wir uns George Washington an: Gründervater einer Nation, die sich mit dem Motto “All Men are created equal” gründete. Aber Washington selbst hielt Sklaven und trug seinen Teil dazu bei, dass das Motto noch für Jahrhunderte nicht verwirklicht wurde. Dass alle Menschen gleich geschaffen sind, war damals eine revolutionäre Idee. Aber der Gründerväter selbst scheiterte daran, sie zu verwirklichen.

Und an diesem Punkt wird es irrsinnig, weil wir ihn mit Maßstäben messen, die sich nur entwickeln konnten, weil Menschen wie er den Grundstein dafür legten. Es liegt eine Gefahr darin, diese historischen Persönlichkeiten als Ganzes zu diskreditieren, weil es eben genau diese Menschen waren, die die Grundwerte unserer Gesellschaft etablierten – auch wenn sie diese noch nicht selbst für alle verwirklichten. Als historische Persönlichkeiten sind sie die Personifikation dieser Ideen. Die Verachtung für den Rassismus derjenigen darf nicht auf ihre Errungenschaften für die westliche Zivilisation überspringen und unsere Kultur vergiften. Wir müssen weiterhin schätzen, welches Erbe wir tragen, in voller Anerkennung und Verantwortung für die Schrecken, die unsere Vorfahren verbreitet haben.

Kontext statt Vandalismus

Wie würdigt man ein geschichtliches Erbe und zollt gleichzeitig dem Umstand Tribut, dass dieses Erbe von Rassisten geprägt wurde? Abreißen ist erstmal keine Lösung. Denn der Frage, nach welchen Kriterien wir Statuen entfernen wollen, folgt sofort die Frage nach dem Zensor. Verfolgt man die aktuellen Debatten, so sollen wohl nur Statuen fallen, die ein linker Mob für moralisch untragbar ausgemacht hat. Einen Karl Marx in Trier oder Chemnitz wollte noch niemand abreißen. Zeitgleich wurde in Gelsenkirchen sogar eine neue Lenin-Statue aufgestellt. Das lässt den Verdacht aufkommen, dass das ganze eine politische Einbahnstraße ist und es hier nicht um Rassismus geht, sondern gegen die bürgerliche Mitte und die Rechte als Vertreter der “postkolonialen” westlichen Kultur.

Was wir brauchen ist Bildung über den Kontext, vor allem bei Statuen, die eindeutig verherrlichender Natur sind. Gerne auch kunstvoll. Man soll wissen, welche Errungenschaften sie uns gewonnen haben, damit wir sie zu schätzen wissen, aber auch welche Fehler sie hatten – dass sie Rassisten waren, wie die meisten Leute ihrer Zeit. Es braucht Bildung um diesem Dilemma zu entkommen, keine anachronistischen Geschichtsurteile.

Haltungsjournalismus: Die mediale Rezeption der Trump-Reden zum Unabhängigkeitstag

Düster, spaltend und polemisch: Mit diesen Worten frameten deutsche Zeitungen ihre Berichte zu Trumps Reden am Unabhängigkeitstag. Inwiefern ist das gerechtfertigt?

Donald Trump

Unter der Überschrift “Trumps spaltende Worte am Nationalfeiertag” veröffentlichte “Die Süddeutsche” einen Bericht zu Trumps Rede am Mount Rushmore. Direkt zu Beginn des Artikels, heißt es, der US-Präsident bezeichne Anti-Rassismus-Demonstranten als “linksradikale Faschisten.”

Die Süddeutsche stellt die Äußerung Trumps zum linksradikalen Faschismus dabei in einen Kontext, in den sie nicht gehört. Trump bezeichnete nicht die friedlichen Demonstranten als linksradikale Faschisten, sondern jene, die Statuen abreißen und gewalttätig gegen Andersdenkende vorgehen.

Was Trump wirklich gesagt hat

Trumps Kontrahent im Rennen um die Präsidentschaft, Joe Biden, kommt besser weg und wird sogar noch gelobt. Er adressiere die Probleme in den USA im Gegensatz zu Trump und appelliere an die Gleichheit der Menschen, die in der amerikanischen Verfassung festgeschrieben ist. Dass auch Trump das tat, ließ die Süddeutsche gekonnt aus. Trump sagte in seiner Rede: Amerikas Gründerväter “verewigten eine göttliche Wahrheit, die die Welt für immer veränderte, als sie sagten: ,Alle Menschen sind gleich geschaffen.’ Diese unsterblichen Worte setzten den unaufhaltsamen Marsch der Freiheit in Gang.”

Weiterhin sagte Trump: “Wir glauben an Chancengleichheit, gleiche Gerechtigkeit und Gleichbehandlung für Bürger jeder Ethnie, Herkunft, Religion und Glaubensrichtung. Jedes Kind jeder Hautfarbe, geboren und ungeboren, ist nach dem heiligen Bild Gottes geschaffen.”

Paternalisierender Journalismus

Soll das die spalterische Hetze sein, von der Süddeutsche schreibt? Doch die Süddeutsche ist damit nicht alleine. Auch die “Welt” titelt: “Trump nutzt Unabhängigkeitstag für Rede zur Spaltung der Nation.” Trump verbreite in seiner Rede in Washington Wut und Angst vor einem Feind im Inneren – statt Zuversicht, heißt es im Bericht. Er säe Zwietracht und vertiefe die politischen Gräben. Auch der “Spiegel” “tagesschau.de” und “N-TV” übernehmen das Narrativ der düsteren und spaltenden Rede.

Solche framenden Überschriften und Spins verzerren die Wahrnehmung von Tatsachen massiv. Argumentativ darlegen kann diese herbeigeredeten Spaltungselemente in Trumps Reden jedoch keiner dieser Berichte. Und selbst wenn, so wäre es nicht die Aufgabe eines Berichts diese aufzuzeigen. Wenn Trumps Worte so düster und spaltend sind, dann wird der Leser das selbst erkennen können. Dann bedarf es keiner Deutung durch parternalisierende Medien in einem Bericht, der eigentlich nur “sagen soll, was ist,” um es mit den Worten des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein zu halten.

Trumps Reden in voller Länge: