Haltungsjournalismus: Die mediale Rezeption der Trump-Reden zum Unabhängigkeitstag

Düster, spaltend und polemisch: Mit diesen Worten frameten deutsche Zeitungen ihre Berichte zu Trumps Reden am Unabhängigkeitstag. Inwiefern ist das gerechtfertigt?

Donald Trump

Unter der Überschrift “Trumps spaltende Worte am Nationalfeiertag” veröffentlichte “Die Süddeutsche” einen Bericht zu Trumps Rede am Mount Rushmore. Direkt zu Beginn des Artikels, heißt es, der US-Präsident bezeichne Anti-Rassismus-Demonstranten als “linksradikale Faschisten.”

Die Süddeutsche stellt die Äußerung Trumps zum linksradikalen Faschismus dabei in einen Kontext, in den sie nicht gehört. Trump bezeichnete nicht die friedlichen Demonstranten als linksradikale Faschisten, sondern jene, die Statuen abreißen und gewalttätig gegen Andersdenkende vorgehen.

Was Trump wirklich gesagt hat

Trumps Kontrahent im Rennen um die Präsidentschaft, Joe Biden, kommt besser weg und wird sogar noch gelobt. Er adressiere die Probleme in den USA im Gegensatz zu Trump und appelliere an die Gleichheit der Menschen, die in der amerikanischen Verfassung festgeschrieben ist. Dass auch Trump das tat, ließ die Süddeutsche gekonnt aus. Trump sagte in seiner Rede: Amerikas Gründerväter “verewigten eine göttliche Wahrheit, die die Welt für immer veränderte, als sie sagten: ,Alle Menschen sind gleich geschaffen.’ Diese unsterblichen Worte setzten den unaufhaltsamen Marsch der Freiheit in Gang.”

Weiterhin sagte Trump: “Wir glauben an Chancengleichheit, gleiche Gerechtigkeit und Gleichbehandlung für Bürger jeder Ethnie, Herkunft, Religion und Glaubensrichtung. Jedes Kind jeder Hautfarbe, geboren und ungeboren, ist nach dem heiligen Bild Gottes geschaffen.”

Paternalisierender Journalismus

Soll das die spalterische Hetze sein, von der Süddeutsche schreibt? Doch die Süddeutsche ist damit nicht alleine. Auch die “Welt” titelt: “Trump nutzt Unabhängigkeitstag für Rede zur Spaltung der Nation.” Trump verbreite in seiner Rede in Washington Wut und Angst vor einem Feind im Inneren – statt Zuversicht, heißt es im Bericht. Er säe Zwietracht und vertiefe die politischen Gräben. Auch der “Spiegel” “tagesschau.de” und “N-TV” übernehmen das Narrativ der düsteren und spaltenden Rede.

Solche framenden Überschriften und Spins verzerren die Wahrnehmung von Tatsachen massiv. Argumentativ darlegen kann diese herbeigeredeten Spaltungselemente in Trumps Reden jedoch keiner dieser Berichte. Und selbst wenn, so wäre es nicht die Aufgabe eines Berichts diese aufzuzeigen. Wenn Trumps Worte so düster und spaltend sind, dann wird der Leser das selbst erkennen können. Dann bedarf es keiner Deutung durch parternalisierende Medien in einem Bericht, der eigentlich nur “sagen soll, was ist,” um es mit den Worten des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein zu halten.

Trumps Reden in voller Länge:

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