AfD-Meldeportal: Neutralitätsgebot

Die AfD ist mal wieder einen Schritt zu weit gegangen. In Hamburg hat die AfD ein Meldeportal eingerichtet, auf dem Lehrer, die gegen das Neutralitätsgebot verstoßen, gemeldet werden können. Dass dies eine schreckliche Aktion ist, sollte klar sein. Die Ansicht, dass Lehrer zu oft das Neutralitätsgebot verletzen, teile ich aber.

Meiner Erfahrung nach gibt es Lehrer, die sehr deutlich immer und immer wieder das Neutralitätsgebot verletzen – vorallem in Richtung Konservative und AfD. Das Anliegen der AfD ist also durchaus berechtigt. Die Lösung in Form eines Meldeportals ist jedoch leider so entsetzlich weit weg von allem, was der Situation angemessen wäre. Der herkömmliche Weg über die Schulleitung wird damit nicht gegangen, sondern die Meldung landet direkt der AfD, die das ganze politisch ausschlachtet und Lehrer an den Pranger stellt. Das ist kein Weg, den eine demokratische Partei gehen sollte, und wir als Gesellschaft schon gar nicht.

Schüler sind definitiv beeinflussbar. Was Lehrende vorgeben und von sich geben, gilt als Rahmen für die Diskussion innerhalb der Klasse. Und so fühlte auch ich mich in der Schule in manchen Fächern gefangen in einem gewissen politischen Rahmen, einem stark links geprägten Rahmen. Konträre Meinungen zum linksgeprägten Mainstream gab es so gut wie nie und es herrschte ein gewisses Selbstverständnis vor, dass so etwas auch nicht vorkommt. So schaltet man leider kritisches Denken aus, das man den Schülerinnen und Schülern doch so gerne vermitteln möchte.

Bei meiner Abiturfeier sprach der Bürgermeister meiner Verbandsgemeinde zu eben dem Thema, dass man den jungen Erwachsenen an meinem Gymnasium erfolgreich beigebracht habe, kritisch zu denken und zu hinterfragen. Dass dies nun gebraucht werde, beweise der weltweite Rechtsruck, erzählte der CDU-Politiker. Er holte dann zu einem Rundumschlag gegen die AfD, Trump, Orban, Le Pen etc. aus, ohne sich dem Paradoxon, in das er sich begeben hatte, auch nur für eine Sekunde bewusst zu werden. Er gab eine Meinung vor und der galt es ungefähr zu folgen. Kritisches Denken, für ihn eben nur in dem Sinne, dass man immer wieder auf die politische Rechte einschlägt, ohne Argumente. Es reicht anscheinend, nur die Namen zu nennen, Argumente sucht man vergebens. Er politisierte an diesem Abend eine Abiturfeier, die alles andere als politisch sein sollte. Das nahm ich ihm damals sehr übel.

Und ähnlich erlebte ich das oft im Unterricht. Ich kam mir im Geschichtsunterricht vor wie in einer schlechteren Version der Heute-Show. Es gab keine Unterrichtsstunde ohne AfD-Nazi-Vergleiche, oft sehr satirisch verpackt, sodass es durchaus lustig war. Oft aber auch etwas ernster gemeinte politische Ansprachen, die ein Lehrer schlicht nicht von sich zu geben hat. Ähnliches erlebte ich im Deutsch- und im Englischunterricht, nicht immer nur gegen die Konservative, oft einfach auch nur gegen „die da oben, die machen, was sie wollen“.

Mein Politiklehrer war nie so. Er war zwar selbst Bürgermeister eines kleinen Ortes und SPD-Mitglied. Dennoch gab er immer sein Bestes, seine persönliche Meinung nie durchblitzen zu lassen. Und darin war er verdammt gut – er ließ uns selbst denken. Seine Benotung richtete sich immer nach unserer Argumentation, nie nach unserer politischen Gesinnung und das schätze ich ihm sehr hoch an. So konnte man sich immer sicher sein, seine Gedanken aussprechen und auf Papier bringen zu dürfen. Nur so sollte es sein. Ansonsten verspielen wir das kritische Denken der nächsten Generation.